Häufig gestellte Fragen zum Thema Scheidung

In diesem Ratgeber finden Sie die häufigsten Fragen, die im Rahmen des Scheidungsverfahres aufkommen. Ihre Frage ist nicht dabei? Kontaktieren Sie uns gern!

Wann kann ich mich scheiden lassen und wie ist der Ablauf der Scheidung ?

Nach Ablauf des Trennungsjahres können Sie den Scheidungsantrag bei dem zuständigen Familiengericht stellen. In den meisten Fällen ist dies das Verfahren für die einvernehmliche Scheidung nach einem Trennungsjahr. Zur Einleitung des Scheidungsverfahrens benötigt der Rechtsanwalt die Eheschließungsurkunde und ggf. die Geburtsurkunden der minderjährigen Kinder.
Nachdem Sie den Scheidungsantrag eingereicht haben, erhebt das Gericht eine Vorschussrechnung für die Kosten. Diese zahlt zunächst derjenige, der den Antrag einreicht. Ein Ausgleich der Kosten gegenüber dem anderen Ehepartner kann nach Abschluss des Verfahrens erfolgen. Sofern dem Antragsteller Verfahrenskostenhilfe bewilligt wird, übernimmt die Staatskasse die Gerichtskosten.
Der andere Ehepartner erhält einen gelben Umschlag mit dem Scheidungsantrag sowie einem Fragebogen für den Versorgungsausgleich.
Liegen dem Gericht alle Auskünfte der Rentenversicherungsträger für den Versorgungsausgleich vor, wird ein Termin zu einer mündlichen Verhandlung anberaumt. Die Ehepartner werden dann zum Scheitern der Ehe angehört. Dieser Ablauf beschreibt das Scheidungsverfahren, wenn keine weiteren Punkte ( wie z.B. Zugewinnausgleich, nachehelicher Unterhalt, elterliche Sorge) geregelt werden.

Wie lange dauert ein Scheidungsverfahren?

Jede Scheidung ist individuell. Die Dauer für ein Scheidungsverfahren vorauszusagen ist deshalb schwierig und hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von der Auslastung des zuständigen Gerichts und ob beide Ehegatten bei der Durchführung des Scheidungsverfahrens samt Versorgungsausgleich mitwirken. In der Regel können Sie mit einem Zeitraum von 6 – 12 Monaten rechnen.

Was ist der Versorgungsausgleich?

Der Versorgungsausgleich wird in den meisten Fällen von Amts wegen vom Gericht im Rahmen des Scheidungsverfahrens durchgeführt. In diesem Verfahren werden die während der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften unter den Ehegatten ausgeglichen. Dazu gehören u.a. die Deutsche Rentenversicherung, private oder auch betriebliche Altersvorsorgen. Jeder Ehepartner bekommt vom Gericht einen Fragebogen zugesandt, den er ausfüllen muss. Auf dieser Basis holt das Gericht die Auskünfte bei den Rententrägern ein. Jeder Ehegatte überträgt grundsätzlich die Hälfte der während der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften, sofern diese nicht geringwertig sind. Sie können die Durchführung des Versorgungsausgleichs auch ausschließen. Der Ausschluss kann vor dem Scheidungstermin bei einem Notar beurkundet werden oder direkt im Scheidungstermin, sofern beide Ehegatten anwaltlich vertreten sind.

Was ist eine einvernehmliche Scheidung?

In den meisten Fällen wird eine Scheidung einvernehmlich durchgeführt. Die einvernehmliche Ehescheidung ist in § 1566 BGB Absatz 1 geregelt. Es wird vermutet, dass die Ehe gescheitert ist. Die Voraussetzungen liegen vor, wenn die Ehegatten seit einem Jahr getrennt leben und beide einen Scheidungsantrag stellen, beziehungsweise einer den Antrag stellt und der andere Ehepartner zustimmt.

Was kostet eine Scheidung?

Die Kosten einer Scheidung berechnen sich grundsätzlich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Die Höhe der Kosten richtet sich nach dem Verfahrenswert. Für die Ermittlung des Verfahrenswertes wird das dreifache monatliche Nettoeinkommen der Ehegatten sowie das Vermögen beider Ehepartner (in der Regel werden 5 % in Ansatz gebracht) zu Grunde gelegt. Der Versorgungsausgleich wird mit 10 % (pro Anrecht) des Verfahrenswertes der Scheidung bewertet. Die individuellen Kosten können wir gemeinsam in einem Beratungsgespräch ermitteln.

Was habe ich für Möglichkeiten, wenn ich mir eine Scheidung nicht leisten kann?

Wer nur über geringe Einkünfte verfügt und auch kein nennenswertes Vermögen besitzt, kann einen Antrag auf Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe stellen. Bewilligt das Gericht diesen Antrag, übernimmt die Staatskasse die Gerichtsgebühren und die Kosten des Rechtsanwalts. Wir beraten Sie gern zu den Voraussetzungen für die Verfahrenskostenhilfe und ob Aussicht auf Erfolg für die Bewilligung besteht.
Verfügt der andere Ehegatte allerdings über ein hohes Einkommen, kann das Gericht den Ehepartner zunächst darauf verweisen, einen Verfahrenskostenvorschuss geltend zu machen. Das bedeutet, dass der Ehegatte mit dem höheren Einkommen dem einkommensschwächeren Ehegatten vor Einleitung des Scheidungsverfahrens die hierfür anfallenden Gebühren zahlen muss. Diesen Anspruch können Sie ebenfalls gerichtlich durchsetzen.

Benötigt jeder Ehegatte einen eigenen Rechtsanwalt für die Scheidung?

Mindestens ein Ehepartner muss anwaltlich vertreten sein, da der Scheidungsantrag von einem Rechtsanwalt gestellt werden muss. Insoweit müssen nicht unbedingt beide Ehegatten anwaltlich vertreten sein. Allerdings sollte bedacht werden, dass bei Durchführung der Scheidung ohne Rechtsanwalt dem nicht anwaltlich vertretenen Ehepartner Nachteile entstehen können, insbesondere, wenn es über die einvernehmliche Scheidung und den Versorgungsausgleich hinausgeht. In einigen Folgesachen, wie z.B. den Zugewinnausgleich oder nachehelichen Unterhalt, die ebenfalls im Scheidungsverfahren mitgeregelt werden können, besteht sogar Anwaltszwang. Einen Rechtsanwalt können die Ehegatten nicht gemeinsam engagieren, da der Rechtsanwalt ausschließlich der Interessen eines Ehepartners vertreten kann und er anderenfalls in einen Interessenskonflikt kommt.

 

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Mirja Klauß Fachanwältin für Familienrecht in Bremen