TESTAMENTSANFECHTUNG

Die Anfechtung eines Testaments durch Hinterbliebene ist nach dem Tod eines Erblassers möglich. Vom Grundsatz her ist jeder zur Anfechtung berechtigt, dem die Aufhebung einzelner Verfügungen oder des gesamten Testaments zugutekommen würde. Eine Testamentsanfechtung hat zum Ziel, einzelne Verfügungen daraus oder das gesamte Dokument für nichtig zu erklären.

In vielen Familien kommt es mit der Testamentseröffnung zu Streitigkeiten. Es gibt regelmäßig „Gewinner“ und „Verlierer“ bei der Erbeinsetzung. Besonders diejenigen, die aufgrund der gesetzlichen Erbfolge am Erbe beteiligt wären, durch ein Testament jedoch zurückgesetzt wurden, haben die Tendenz, das Testament anzuzweifeln.

Unterstützung bei Erbstreitigkeiten

Um ein Testament anfechten oder verteidigen zu können, muss man die vielfältigen Möglichkeiten des Erbrechts kennen und anwenden können. Nur so besteht die Chance, vor dem Nachlass- oder Zivilgericht Aussicht auf Erfolg zu haben. Bei einer Testamentsanfechtung müssen viele Aspekte beachtet und einer Prüfung unterzogen werden. Für so einen komplexen Bereich ist auf jeden Fall anwaltliche Unterstützung notwendig. Es erfolgen sämtliche notwendigen Überprüfungen wie z. B. die Formwirksamkeit eines Testaments, die Testierfähigkeit des
Erblassers und diverse andere Aspekte.

Gründe für eine Testamentsanfechtung

Das BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) unterscheidet hauptsächlich folgende Gründe für eine Testamentsanfechtung:

› Irrtum
Ein Testament kann angefochten werden, wenn der Erblasser einem Irrtum unterlag. Hier wird zwischen Inhaltsirrtum, Erklärungsirrtum und Motivirrtum unterschieden.

› Drohung
Anfechtbar ist das Testament auch, wenn der Erblasser durch eine Drohung gezwungen wurde, bestimmte Verfügungen oder das gesamte Dokument zu erstellen.

› Übergehung eines Pflichtteilberechtigten
Wurde ein Pflichtteilberechtigter irrtümlich durch den Erblasser übergangen, ist es ebenfalls möglich, das Testament anzufechten. In solch einem Fall kommt nicht nur die Geltendmachung des Pflichtteils zum Zuge, sondern es besteht die Möglichkeit, dass dem übergangenen Erben sogar der gesetzliche Erbteil zusteht.

Unwirksamkeit eines Testaments

Es gibt allerdings auch Fälle, in denen ein Testament von vornherein unwirksam ist und deshalb nicht angefochten werden muss. Dazu gehören:

› Testierunfähigkeit
Um ein gültiges Testament aufzusetzen, muss die Person das 16. Lebensjahr vollendet haben. Ihr muss die Bedeutung der abgegebenen Willenserklärung klar sein und sie muss nach dieser Erkenntnis handeln können. Ist das nicht der Fall, gilt die Person als testierunfähig. Wurde das Testament von einer Person aufgesetzt, die unter einer krankhaften Störung der Geistestätigkeit oder einer Bewusstseinsstörung leidet, ist die Person ebenfalls nicht testierfähig und das von ihr aufgesetzte Testament ist unwirksam.

› Formfehler
Wenn Formfehler oder Zweifel an der Echtheit des Testaments bestehen, kann dieses unwirksam sein. Wird die Echtheit des Schriftstücks angezweifelt, kann beispielsweise ein graphologisches Gutachten des handschriftlichen Testaments zur Überprüfung herangezogen werden.

› Sittenwidrigkeit oder Verstoß gegen geltendes Recht
Auch bei Sittenwidrigkeit oder einem Verstoß gegen geltendes Recht könnte das Testament unwirksam sein.

› Vertretung oder Beeinflussung
Laut BGB kann ein Testament ausschließlich höchstpersönlich errichtet werden. Man darf sich nicht durch einen Bevollmächtigten oder Betreuer vertreten lassen. Haben Dritte einen so starken Einfluss auf die Erstellung des Schriftstücks genommen, dass der Erblasser sich nicht mehr davon lösen kann und somit seinem eigenen Willen nicht sehr selbst hinreichend Ausdruck verleihen kann, ist das Testament unwirksam.

Handschriftliches oder notarielles Testament – Unterschiede

Ein notariell aufgesetztes Testament ist grundsätzlich nicht „stärker“ als ein handschriftlich verfasstes. Der Erblasser setzt seinen letzten Willen in der Regel nach bestem Wissen und Gewissen auf – oft, ohne einen Anwalt zurate zu ziehen. Dies birgt allerdings die Gefahr, dass das Testament aufgrund von Unwissen in bestimmten Dingen anfechtbar werden kann. Als Stichworte seien hier Formfehler oder andere Fehler genannt. Im Gegensatz dazu kennt ein Notar natürlich alle rechtlichen Details und kann ein Testament rechtssicher aufsetzen, sodass die Gefahr der Anfechtbarkeit stark minimiert wird. Um auch Fehler des Testators zu vermeiden, wird ein Notar aus diesem Grund alle Eventualitäten abfragen, um ein weitgehend
unanfechtbares Testament aufzusetzen.

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