ELTERLICHE SORGE

Die elterliche Sorge ist in den §§ 1626 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt. Sie umfasst die Personensorge, die Vermögenssorge (§ 1626 Abs.1 BGB) und die Vertretung des Kindes in persönlichen und Vermögensangelegenheiten (§ 1629 Abs.1 BGB).

Sind die Eltern eines Kindes bei der Geburt verheiratet, üben sie die elterliche Sorge zusammen aus (gemeinsames Sorgerecht). Heiraten die Eltern erst nach der Geburt des Kindes, steht ihnen die elterliche Sorge ab dem Tag der Eheschließung zu. Der leiblichen Mutter steht das Sorgerecht immer seit der Geburt des Kindes zu.

Wenn die Eltern nicht miteinander verheiratet sind, besteht die Möglichkeit, dass die Mutter und der Vater gemeinsam vor dem zuständigen Jugendamt die Vaterschaft anerkennen und eine Sorgerechtserklärung abgeben. Nach Abgabe dieser Erklärung üben beide Elternteile das Sorgerecht gemeinsam aus.

Verweigert die Mutter die Abgabe eine Sorgerechtserklärung, hat der Vater die Möglichkeit, das Sorgerecht vor Gericht zu beantragen. Seit einer Gesetzesreform im Jahr 2013 genügen dafür eine tragfähige soziale Beziehung zwischen den Eltern sowie ein Mindestmaß an Übereinstimmung in erzieherischen Fragen und auf der Ebene der Kommunikation. Die Prüfung findet dann lediglich dahingehend statt, dass die gemeinsame Ausübung der elterlichen Sorge nicht dem Kindeswohl widerspricht.

Aufenthaltsbestimmungsrecht im Trennungs- und Scheidungsfall

Von erheblicher Bedeutung und häufig auch Streitpunkt zwischen den gemeinsam sorgeberechtigten Eltern ist der Teilbereich des Aufenthaltsbestimmungsrechts (§ 1631 Abs. 1 BGB). Beide Eltern können nur gemeinsam die Entscheidung treffen, wo sich das Kind aufhält und wo es seinen Wohnsitz (Lebensmittelpunkt) hat. Will ein Elternteil den Lebensmittelpunkt des Kindes verändern, z. B. nach erfolgter Trennung vom anderen Elternteil, bedarf es hier der Zustimmung des anderen Elternteils. Das gemeinsame Sorgerecht bleibt davon zunächst unberührt. Können die Eltern nicht einigen, muss das Familiengericht eine Entscheidung treffen und das Aufenthaltsbestimmungsrecht auf einer der Elternteil zur alleinigen Ausübung übertragen.

Auch im Falle einer Scheidung ist das gemeinsame Sorgerecht erst einmal nicht betroffen und verbleibt bei beiden Elternteilen. Anders sieht es aus, wenn ein Elternteil das alleinige Sorgerecht beantragt. In einem solchen Fall wird neben dem Familiengericht immer auch das Jugendamt mit eingebunden.

In einem Sorgerechtsverfahren werden folgende Dinge geklärt:

› Ist es für das Wohl des Kindes am besten, wenn das Sorgerecht auf nur einen Elternteil übertragen wird?
› Wer ist die Hauptbezugsperson des Kindes?
› Wer kann das Kind am besten persönlich, emotional und schulisch fördern?
› Wer kann den Erhalt der Beziehungen zu anderen wichtigen Personen in seinem eben am besten sicherstellen?

Nach einer Anhörung sowohl des Kindes als auch des Jugendamtes entscheidet dann das Familiengericht, wer zukünftig über das Sorgerecht verfügt. In einigen Fällen holt das Gericht vor der Entscheidung ein familienpsychologisches Gutachtens ein.

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